
Linux in der Automatisierungstechnik: Wie alles
anfing
1994 erreichte uns eine Kundenanfrage: komplette Datenerfassung eines Werks und Übermittlung der vorverarbeiteten Daten ein mal pro Tag an die Konzern-Zentrale. Das Werk arbeitete im 24-Stunden-Betrieb, was einen Batchbetrieb "sammeln-rechnen-übertragen" ausschloß. Alles mußte gleichzeitig geschehen.
1994, Sie erinnern sich:
Der Standard-PC hatte einen 486/66-2-Prozessor, das Betriebsystem
war MS-DOS mit darüberliegenden Windows 3.11, Windows-NT war
am Anfang und noch sehr wackelig auf den Beinen, OS/2 war robust aber schon
am Aussterben.
Leistungsfähige und skalierbare Visualisisierungssysteme
liefen auf Unix und kosteten fünfstellige Summen.
Wir hatten also ein Problem.
Wir kauften ein "professionelles" Unix und gaben es nach
ausgiebigen Tests unter Protest wieder zurück: Es war eine Bug-Sammlung.
Wir probierten in unserer Not und mit viel Skepsis das
neue Betriebsystem LINUX ..und waren begeistert!
Was noch fehlte, war die Kopplung zur Simatic. Wir haben
uns deshalb zur Realisierung des RK512-Protokolls entschlossen. Ausgiebige Tests
wurden eingeplant, wohl wissend, daß das Protokoll im Falle einer
Fehlerreaktion sehr anspruchsvoll reagiert.
Rechnerseitig wollten wir eine leicht zu benutzende Schnittstelle,
die außerdem noch mehrere Prozesse gleichzeitig bedienen konnte.
Wir nannten die Kopplung rk512_server.
Das war die Geburtsstunde der rk*_server-Familie.
Daß wir damit einen Quasi-Standard
für die Linux-Simatic-Connectivity geschaffen haben,
war uns damals noch nicht bewußt.
Die Anfrage, die das alles auslöste, wurde zwar kein Auftrag, die Entwicklung des rk512_servers ging aber weiter, es folgte eine ausgiebige Erprobung im Labor.
Ende 1996 erfolgte der Praxiseinsatz bei der Dreiso GmbH, einem Palettenhersteller.
Auf dem Linux-Tag 1998 in Kaiserslautern erfolgte die
Lieferfreigabe.
Dies waren 4 Jahre nach Entwicklungsbeginn. Im Softwarebereich
eine Ewigkeit.
Allerdings: Von Bibliothekswechseln abgesehen, läuft
der damals implementierte Server bis heute
unverändert. Er git als sehr robust. Die lange Erprobungszeit
hat sich offensichtlich gelohnt.
rk512_server und seine Brüder rk511_server und rktcp_server werden mittlerweile von einer ganzen Reihe von Firmen eingesetzt. Zwar ist der erwartete Linux-Boom im Automatisierungsbereich ausgeblieben, jedoch steigt die Anzahl der Anwender stetig.
06.05.2003 Werner Heisch